Anzugsmoment M8: Drehmomentwerte nach Festigkeitsklasse (VDI 2230)
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Drehmomentschlüssel passender Bereich→Schrauben M8 8.8 Festigkeitsklasse→Quelle: VDI 2230 (mu = 0,14, Regelgewinde)
Anzugsmoment M8 – abhängig von der Festigkeitsklasse
Eine M8-Schraube hat kein einheitliches Anzugsmoment. Der richtige Wert ergibt sich aus der Festigkeitsklasse des Befestigungselementes und der Reibungszahl. Nach VDI 2230 (µ=0,14) gelten für Regelgewinde M8×1,25 folgende Richtwerte: Klasse 4.6 = 9 Nm, Klasse 5.6 = 11 Nm, Klasse 8.8 = 24,6 Nm, Klasse 10.9 = 36 Nm, Klasse 12.9 = 43 Nm. Die Bandbreite von 9 bis 43 Nm zeigt, warum die Festigkeitsklasse vor dem Anziehen bekannt sein muss. Zum Vergleich mit Nachbargrößen: Anzugsmoment M6 und Anzugsmoment M10.
Tabelle: M8 nach Festigkeitsklasse
| Festigkeitsklasse | Zugfestigkeit | Anzugsmoment |
|---|---|---|
| 4.6 | 400 N/mm² | 9 Nm |
| 5.6 | 500 N/mm² | 11 Nm |
| 8.8 | 800 N/mm² | 24,6 Nm |
| 10.9 | 1.000 N/mm² | 36 Nm |
| 12.9 | 1.200 N/mm² | 43 Nm |
Quelle: VDI 2230 · µ=0,14 · M8 Regelgewinde (M8×1,25) · Richtwerte für trockene oder leicht geölte Verschraubung.
Was die Festigkeitsklasse bedeutet
Die Zahlenkennzeichnung auf dem Schraubenkopf codiert Zugfestigkeit und Streckgrenze. Bei Klasse 8.8 steht die erste 8 für 800 N/mm² Zugfestigkeit. Die zweite 8 bedeutet, dass die Streckgrenze 80 % davon beträgt (640 N/mm²). Bei Klasse 10.9 ergibt sich daraus 1.000 N/mm² Zugfestigkeit und eine Streckgrenze von 900 N/mm². Beim Anziehen wird der Schaft auf einen definierten Anteil seiner Streckgrenze vorgespannt – deshalb folgt das Anzugsmoment direkt aus der Festigkeitsklasse. Klasse 8.8 ist der Standard im allgemeinen Maschinenbau, Klassen 10.9 und 12.9 kommen im Fahrzeugbau und bei hochbelasteten Verbindungen vor.
µ=0,14: Warum die Reibungszahl entscheidend ist
Derselbe M8-Bolzen der Klasse 8.8 benötigt je nach Schmierzustand unterschiedliche Anzugsmomente. µ=0,14 nach VDI 2230 beschreibt den Reibungskoeffizient für trockene bis leicht geölte Oberflächen von Schraube, Mutter und Auflagefläche. Wer Schrauben oder Gewinde mit Hochleistungsfett oder Molybdändisulfid (MoS₂) behandelt, senkt µ deutlich ab. Das bedeutet: Für dasselbe Vorspannniveau wäre ein niedrigeres Drehmoment nötig. Wird trotzdem mit dem Tabellenwert angezogen, überschreitet man die Streckgrenze. Für Verbindungen mit besonderen Schmierstoffen oder Gewindeklebern gilt daher immer die Herstellerangabe.
Regelgewinde M8×1,25 oder Feingewinde M8×1
Das M8-Gewinde gibt es als Regelgewinde (M8×1,25, Steigung 1,25 mm) und als Feingewinde (M8×1, Steigung 1,0 mm). Die Normwerte aus VDI 2230 in dieser Tabelle gelten ausschließlich für das Regelgewinde M8×1,25. Für Feingewinde M8×1 sind in den Referenzdaten keine eigenen Anzugsmomente hinterlegt. Wer ein Feingewinde verbaut, muss auf die Herstellerangabe oder eine spezifische Berechnung nach VDI 2230 mit den tatsächlichen Gewindeparametern zurückgreifen.
Wann gilt nur die Herstellerangabe?
VDI-2230-Richtwerte sind für den allgemeinen Maschinenbau bestimmt. An Kfz-Motoren, Zylinderkopfschrauben, Fahrwerkskomponenten, Lenkungsteilen und Hochdruckverbindungen schreibt der Hersteller eigene Anzugsmomente vor – diese haben immer Vorrang. Manche Verbindungen werden zusätzlich mit dem Drehwinkelverfahren (Streckgrenzanziehen) gefügt: Ein Referenzdrehmoment wird zunächst aufgebracht, danach folgt ein definierter Weiterdrehwinkel. In diesen Fällen ist der Richtwert aus der Tabelle oben nicht anwendbar.
Passendes Zubehör
Für das präzise Anziehen von M8-Schrauben nach Normwert wird ein Drehmomentschlüssel mit einem Bereich von etwa 5 bis 50 Nm benötigt, der alle gängigen Festigkeitsklassen abdeckt.